Flussgeschichten

Badestrand und Riesentanker

Die Veranstaltungsreihe Flussgeschichten verbindet die Erinnerungen an die früheren Badestrände an der Weser und ihr Verschwinden im Zuge permanenter Weservertiefungen mit konkreten Entwicklungen der „Stadt am Fluss“ vor Ort.

Lankenau & die AG WESER


Frauke Wilhelm hat gemeinsam mit dem Geschichtskontor Brodelpott Erzählungenvon Zeitzeugen über das Bremer Alltagsleben am Fluss gesammelt. Aus den Erinnerungen und Fotos von vielen Zeitzeug*innen sind liebevoll arrangierte Tonbildcollagen entstanden, die unter anderem von gestrengen Bademeistern, wollenen Badeanzügen und einem Lieblingssport der Bremer Butjer erzählen. Die hingen sich nämlich an die von Schleppern gezogenen
Bockschiffe, enterten sie und ließen sich so ein Stück striomaufwärts
mitnehmen. Dann sprang man wieder in die Weser und ließ sich von
der Strömung zurücktreiben.

Die Tonbildcollagen wurden an verschiedenen Orten am Fluss im Rahmen eines unterhaltsamen Showabends mit Talk und Schlagern der Zeit gezeigt. Wobei es jeweils darum ging, die heutigen Bemühungen vor Ort, die Weser wieder zugänglich zu machen, mit einzubeziehen.

Diese beiden Filmsequenzen und live-Gäste führen an jedem Abend in die „Flussgeschichten“ ein:


1.) der Strand
Noch in der Nachkriegszeit zogen die Bremer mit ihrem Picknick-
Köfferchen an die vielen Strandbäder an der Weser und hüllten sich
zum Baden in die züchtigen Bedeckungen der Zeit. Man badete mit
Sicht auf Frachtschiffe und Riesentanker, die vorbei zogen, und auf die
Helgen der AG Weser oder anderer Werften.

2. der Strom
Mit dem stetig wachsenden Tiefgang der Fracht- und später
Containerschiffe verschärfte sich auch der Kampf der Stadt Bremen
gegen die Versandung der Weser. Seit über 130 Jahren saugen und baggern Spezialboote jährlich Unmengen von Sand und Schlick für die Fahrrinnen nach Bremerhaven und Bremen, befestigen die Ufer mit Schüttsteinen und erneuern die Schäden nach jeder neuen Sturmflut. Schon in den 70er Jahren stand die Weser ‚im Ruf, der am stärksten regulierte Tidefluß der Welt‘ zu sein.
Die Regulierung hat das Gesicht der Unterweser gründlich verändert.
Wo einst im Sommer Hunderttausende an den Bremer Sandstränden badeten, verhindern die Uferbefestigungen heute den Zugang.

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3. Je nach Veranstaltungsort schlagen die „Flussgeschichten“ den
Bogen zu aktuellen Projekten und Entwicklungen der „Stadt am
Fluss“:

Screenshot

Die Fähre
9.9.05 – Cafe Sand
Als erster Entdecker und Kämpfer für die „Stadt am Fluss“ machte der Verein ‚Hal över‘ von sich reden. Als ein Bremer nach dem anderen seinen eigenen Wagen kaufte und die Umwege über die Brücken weniger lästig wurden, schrieben sich die Leute von ‚Hal över‘ den Erhalt der Sielwall-Fähre auf die Fahnen.
Rund um das kleine Biotop am Fähranleger stiegen die ersten Bremer
wieder in den Fluß und auch die klassische Fährhaus-Gastronomie
erwachte mit WM-Übertragungen, Gauklerfesten und Kleinkunst wieder zum Leben. Nicht zufällig entstand die ‚Weserlust‘ und spätere Breminale am Deich neben dem Anleger.

Pusdorf am Fluss
5.9.06 – Grünanlage Woltmershausen
Am Vorabend des Stadtteilfestes Pusdorf präsentieren Brodelpott und Kulturhaus Pusdorf die „Flussgeschichten“ zur Einweihung der neuen Wesertreppe.

Maritime Meile und Gläserne Werft
28.09.06 – Strandlust Bremen
Was stellen die Vegesacker auf die Beine, um die Verbundenheit ihresStadtteiles mit dem Fluss für alle Bürger und Besucher zu einer
Gewinn bringenden Angelegenheit zu machen?

Lemwerder goes Tourismus?
30.09.06 – BEGU – Lemwerder
Auch zwischen Bremen und Bremerhaven gibt es viele Initiativen, die
sich das Land am Wasser zurück erobern. In Lemwerder soll der
Ritzenbütteler Sand mit dem “Touristischen Nutzungskonzept –
Ritzenbüttler Sand“ wieder zum Naherholungsgebiet werden.

Überseestadt am Fluss
17. + 18.04.08 – MS Friedrich, Schlachte
Zwei prominente Pioniere der Überseestadt, Dr. Hübotter und Joachim Linnemann, Gesch.ftsführer der Firma Justus Grosse, beschreiben den Stand der Entwicklungen vor Ort zwischen Kultur- Dienstleistungs- und Büroviertel und nehmen Stelleung zum begehrten aber umstrittenen „Wohnen am Wasser“.


Mit den „Flussgeschichten“ hat Frauke Wilhelm eine Veranstaltungsform entwickelt, in der sich Geschichte, Erinnerungen und die Diskussion aktueller Fragestellungen zur Stadtentwicklung harmonisch ergänzen.