Kultur nach der Pandemie
2021
Erinnert sich noch jemand daran, dass wir zu zweit in 2x2m-Kästchen gestanden und Konzerte geschaut oder getanzt haben? Im Jahr 2021 eroberte die Temporäre Hafenbar einen dritten Ort hinter der Alten Werft auf der Überseeinsel. Hier sahen die Fans erleichtert und begeistert erste Konzerte nach dem Lockdown, hier sangen sie erstmals wieder gemeinsam bei der Golden City-Lokalrunde. Die Hafenbar wurde jeden Abend an einer Seite komplett geöffnet, und die Open Air Bühne bot die ideale Kulisse für Kultur mit Abstand.
Neustart Kultur-Gelder und das große Engagement des Golden City-Teams machten es möglich.







Die Abschiedssaison
2022
Bereits mit ihrer Eröffnungsperformance brachten Ramona & Ramon ein „heißes Eisen“ auf die Bühne, das sie die vergangenen 12 Jahre immer wieder ausgebremst hat:
„Ramona & Ramon niederschwellig“ thematisiert das Dilemma der freien Kulturschaffenden und der freien Kulturproduzent*innen auf dem deutschen „KunstundKultur“-Markt. Von der Freien Szene und der Soziokultur wird erwartet, dass der Alltag der „kulturfernen Schichten“ aufgehübscht und aufgeklärt wird, aber die Fördermittel und der Scheinwerfer der Aufmerksamkeit gelten dem Theater hinter den großen Säulen. Und das beflissene Kultur-Establishment rümpft die Nase, wenn die Hafenbar tatsächlich voll ist und die Klischees von unten nach oben gekehrt werden. In Bauchlage auf zwei Rollbrettern zu Helene-Fischer-Stampf-Musik einrollend, zeigen und erklären Ramona & Ramon anschaulich mit Schaubild und Musik, wie die tradierte Trennung von Hochkultur und populärem Kunstgenuss als Variante des Klassismus bestens funktioniert.



Ramona und Ramon bestehen darauf: Wenn die Schwellen niedrig sind, kann sich hinter der Tür auf der Bretterbühne doch etwas ziemlich Aufregendes abspielen.






In diesem Sommer machten wir eine paradoxe Erfahrung: Staatliche Förderung mit wohlmeinenden Auflagen kamen in nie gekannten Umfang ins „Kultur- und Veranstaltungssystem“. Das Golden City akquirierte gleich vier Neustart Kultur Förderungen: Für das Frauenmusiktheaterstück „All Eyes On US“, für ein Bandprogramm, für Investitionen in Toiletten- und Barcontainer und Organisationsentwicklung des Teams. Gleichzeitig verschlechterten sich die Bedingungen für prekär finanzierte Projekte dramatisch. Es ist plötzlich besonders schwierig, helfende Hände zu finden. Praktikant*innen und Ehrenamtliche haben anderswo Jobs für Geld gefunden. Und in der gesamten Veranstaltungsbranche ist bereits ein Trend spürbar, der sich die nächsten Jahre noch verstärken wird: Es gibt einfach zu wenig Publikum! Besonders kleine Live-Veranstaltungen sind betroffen. Viele Menschen bleiben nach der Pandemie eher zuhause, surfen in Sozialen Medien, scheuen den direkten Kontakt.
Diese Saison brachte vor allen Dingen die Erkenntnis, dass es für das Golden City in Bremen niemals eine langfristig sichere Finanzierung geben würde. Und so steht Mitte der Saison die Entscheidung: Wir dürfen aufhören.
Und genießen die letzten Veranstaltungen.
Fotos Manja Hermann, Jan Meier u.a.
