72 Stunden Hafenbar im Puff
Mit dem Projekt „Golden City – neue Damen eingetroffen“ wurde das „Krokodil“ im September 2011 für 72 Stunden zurück in die Zeit versetzt, als 50.000 Seeleute pro Monat durch den „Stinkbüddelmannsgang“ an die „Küste“ in Walle strömten.

Mit dabei die Cremé de la créme der bremischen Hafenbands: „RamonaRamonRammé“, die „Ariolas“, „Bella Bordella und die Beatbuben“, „Nagelritz“, „Jonny Glut“, „Dad Horse Ottn“ und „Hart Backbord“.
Zwischen Musik und Milieu lud Ramona Ariola VIPs aus Politik, Wirtschaft und Rotlicht zum Talk auf dem Tresen. Dort standen ihr ein ehemaliger Seemann und eine Prostituierte ebenso Rede und Antwort, wie die Bremer Frauenbeauftragte und ein Mann aus einem SM-Studio, die Chefs von Bremens Hafenvertretung und Tourismuszentrale und Mitarbeiter*innen der Beratungsinitiativen „Nitribitt“ und „Bremer Aidshilfe“.






Jede*r in der gesteckt vollen Kneipe konnte spüren, wie die alten Gassenhauer aus den fünfziger und sechziger Jahren plötzlich mit Leben vollgesogen sind. Der Raum war angefüllt mit Geschichten und Dönekens. Bremen als Hafenstadt mit Matrosen, Hafenarbeitern, plietschen Frauen und geschäftstüchtigen Taxifahrern wurde auf einmal wieder lebendig. Das begeisterte Publikum war sich einig: Bremen braucht eine Hafenbar!
Mitwirkende: RamonaRamonRammé (Frauke Wilhelm, Nomena Struß, Egon Rammé), die Ariolas (Peter Apel, Martin Kruzig), Ulf Albrecht, Bella Bordella und die Beat Buben, Nagelritz, Jonny
Glut, Dad Horse Ottn, Chor Anbiet, Bella Mare und die Beach Buben, Rosi Fröschle, Hans Hartmann und viele andere

Wo denn genau das legendäre „Golden City“ sich zwischen 1947 und 1975 befunden hat, klärte ein Ortstermin während der Eröffnungsshow. Die beiden (echten) Polizisten Uwe Grote und Fidi Neumann vom Revier Walle hatten großen Spaß daran, in Original-Uniformen mit ihrem Borgward am Projekt teilzunehmen und für 10 Minuten die zwei Spuren der Nordstraße Richtung Stadt zu sperren, wo blitzschnell die Umrisse des ehemaligen „Golden City“ – heute mitten auf der Fahrbahn gegenüber dem Krokodil – sichtbar gemacht wurden. Das Publikum samt Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz wurde „in den ehemaligen Tanzsaal“ geführt, wo Zuhälter Eddie Raminski (Ulf Albrecht) für seine hochfliegenden Pläne einer Neueröffnung am Originalplatz warb.
Keine*r der Beteiligten konnte ahnen, dass diese „Schnapsidee“ so etwas wie die Geburtsstunde der temporären Hafenbar „Golden City“ war.
Fotos: Jan Meier

