Stahlschnitt Schweisser Stapellauf

Geschichte(n) von der Arbeit auf der AG WESER

Die AG WESER ist auch fast vier Jahrzehnte nach ihrem Niedergang ein bewegender Teil der Bremer Identität. Die in diesem Buch zu Wort kommenden Zeitzeug*inen haben eine geradezu mythische Erfolgsgeschicht mit unerklärlichem Ende erlebt: Nach der Zerstörung des Krieges und der Armut der Nachkriegszeit geht es vom ersten Schiffsneubau an fast nur bergauf. Erst arbeitet man noch mit Sonntagsschuhen auf der Werft; die Arbeit ist hart und gefährlich. Doch es bilden sich bereits der „stramme Betriebsrat” und der „stramme Vertrauensleutekörper”, die im Laufe der nächsten 20 Jahre dafür sorgen werden, dass die Arbeiter ihr Stück vom Kuchen abbekommen. Arbeitsstunden werden begrenzt, Löhne und Urlaubstage erhöht, bis schließlich die Arbeitervertretung mit am Tisch des Aufsichtsrates sitzt. Die Schiffe werden immer größer, die Werft investiert in immer neue Fertigungsmethoden und wandelt sich zu einer der modernsten in Europa. Eine „Olympiamannschaft” von Spezialisten arbeitet schließlich gemeinsam in den verschiedenen Gewerken an der Produktion der größten Schiffe der Welt.

Niemand kann ahnen, dass die AG WESER am Anfang eines weltweiten Strukturwandels steht, der nicht nur das Ende der Werften und des stadtbremischen Hafenumschlages mit sich bringen, sondern einen gesellschaftlichen Umbruch in Gang setzen wird, der bis heute nachwirkt.

Atmosphärisch und farbig geschilderte Schiffbau- und Arbeitergeschichte aus den 50er bis 80er Jahren im typischen Gröpelinger Slang, eingeordnet in den historischen Abriss von 140 Jahren Werft.

Verlag Golden City UG 2021, 224 Seiten, 29,90 Euro. leider vergriffen! ISBN 978-3-00-070637-0

Wie kam es zu dem Buchprojekt?

Frauke Wilhelm alias Ramona Ariola hatte in mehreren Erzählcafés der Golden City Hafenbar 2019 Schweißer, Rohr- und Gerüstbauer, Takler, Kranfahrerinnen, Technischen Zeichnerinnen und andere befragt: Wie entstanden eigentlich die Riesentanker, Passagierdampfer und Fregatten, als statt mit digitaler Technik und großen Maschinen noch viele Arbeiten per Hand, mit Mannes- und Frauenkraft, und durch schlaue Nutzung der physikalischen Kräfte erledigt wurden? Wie wurden die Großtanker beim Stapellauf abgefangen, so dass sie nicht in die Pier gegenüber rauschten? Und wie wurde das Ende der stolzen Werft erlebt?

Bei der Lankenau-Show präsentierte sie ihre Forschungsergebnisse in kleinen Tonbildcollagen, mit live-Interviews und Musik, und Ramon Locker (Nomena Struß) führt einen Modell- Stapellauf vor.

Durch das riesige Interesse der Bremer*innen motiviert – das Lankenauer Höft platzt bei der Show aus allen Nähten – hat Frauke Wilhelm die Ergebnisse zusammen mit weiteren Interviews zu dem Buch „STAHLSCHNITT SCHWEISSER STAPELLAUF – Geschichte(n) von der Arbeit auf der AG WESER“ verarbeitet.