ein inszeniertes Straßenfest
Mit viel Engagement arbeitete das Programmbüro unter der Leitung von Frauke Wilhelm zwischen 2006 und 2010 daran, das ViertelFest (mit 150.000 Besuchern neben der Breminale das größte OpenAir Kulturfest in Bremen) zu einem innovativen Volksfest zu entwickeln.
Wir möchten viele Menschen intelligent und gut unterhalten, zum Staunen bringen und charmant mit wirklich Neuem konfrontieren.“

Es ging darum, einen Straßenraum von gut 1,5 km Länge mit 3-4 Bühnen zu bespielen, dessen Mitveranstalter vom Großmarkt Bremen und eine Unzahl von Anliegern – Kneipen, Kioske, andere Geschäftsleute und Anwohner – seit Jahren ein Volksfest mit bierkompatibler Musik gewohnt waren, mit Umsatzträumen und Alkoholleichen und vor allem mit Bremer Wetter, das über Gedeih und Verderb der drei tollen Tage entscheiden konnte.
Künstler, Kaufleute, Kulturinstitutionen, professionelle Spinner und alternative Freaks, Initiativen, Unternehmer, Wirte und Anwohner: All diejenigen, die auch sonst das Viertel – unser „soziales Biotop aus Luxus, Siff und alternativem Lebensgefühl“ (WK 6.6.2010) – prägten, sollten für die beliebte 3-Tages-Sause zwischen Wallwiese und Ziegenmarkt an einem Strang ziehen. In Kommunikation mit allen und jedem wollten wir mehr Kultur ermöglichen: Aktuelle Popmusik, faszinierende Fassadenprojektionen, Fensterlesungen, Popularisierung von Wissenschaftsthemen, spannende Spiele und die Inszenierung der verschiedenen Stadträume – das „normale“ Stadtfest mit bierkompatibler Musik und Bratwurst solte kulturell aufgewertet werden.
Mehr Spagat ging nicht.

2010 – „Intelligente Netze“
Fäden spinnen, Netze knüpfen, fischen, fangen, stricken, knoten, was
das Zeug hält! Für Bremens größte Straßenparty bündelte das
Programmbüro ViertelFest wieder einmal die erneuerbaren Kultur-
Energien im Viertel.
Die Highlights:
NetzKunst – Mitten auf der Sielwall-Kreuzung stand eine Straßenbahn mit Netzanzug. Die Künstlerin Cordula Prieser umstrickte die beliebte Lounge des Programmbüros und vernetzte sie mit den umliegenden Häusern

Virtuelle Vernetzung: Innerhalb der Videoinstallation „Update (zo2)“ der Künstlerin Vera Doerk im Entrée des Bremer Theaters konnten sich die Zuschauer virtuell vernetzen.
NetzEnergie – Die Wallwiese wurde zur Erfinderwerkstatt: Innerhalb einer raumgreifenden Kunst-Licht-Technik-Skulptur auf der Wallwiese erzeugte ein Netz aus alternativen Energieerzeugungssystemen (Sonnenkollektoren, Windkraft) Strom direkt vor Ort und brachte damit das Herz der Klimafreunde und die Wallwiese zum Leuchten.
NetzPop – Für den Länderschwerpunkt „Plezier België“ wurde das Netz in Belgien ausgeworfen: Zusammen mit dem Funkhaus Europa
präsentierten wir die verrückten Girls von Les Vedettes, Jaune Toujours, Ivan Tirtiaux u,.a. auf der FestiWallwiese. Dort gabs natürlich auch wieder ViertelFest-Indiestyle u.a. mit den Erdmöbeln und dem Jeans Team. Außerdem spielten Das Gezeichnete Ich, The Johnny Parry Trio (UK), Radio Saigon (DK) und natürlich feinste Bands aus der heimischen Region. Als Beitrag für ein klimaneutraleres Fest sparten wir eine Bühne ein und schickten Rocco Recycle und verschiedene Marching Bands direkt auf die Straße.

2008 – „Schwärmen für das Viertelfest“
Im Jahr der Mathematik nahmen wir uns das Thema „Schwarmintelligenz“ vor. Die Masse an Menschen würde kommen, klar. Aber könnten wir sie mit einem einfachen Experiment in einen „Schwarm“ verwandeln, der gemeinsam reagiert?

Wir baten den Schauspieler Mateng Pollkläsener und den legendären Bingo-im-Eisen-Moderator Hanno Balz, für uns als Wissenschaftler die Menge anzuleiten.
Es wurden Knack-Insekten ausgeteilt und eine einfache Parole ausgegeben: „Knacke, wenn Dein Nachbar knackt“.

Man kann nicht sagen, dass Schwarmintelligenz eindeutig nachgewiesen werden konnte. Aber der Prozess, der Vergleichzeitigung der Knacklaute war an allen Ecken und Enden auszumachen – und die Knackophonie ein großer Spaß.
Auch urbanscreen, die Meister der Lichtprojektion beteiligten sich wieder am Thema und schufen mit „Insektion“ eine faszinierende Projektion in der Blattschneideameisen ein Haus an der Sielwallkreuzung zerlegten.
2009 – Fensterlesungen
Stell Dir vor, ein ganzes Volksfest hält für ein paar Augenblicke inne. An der gesamten Meile gehen Fenster auf und jemand liest einen poetischen Text oder ein gedicht. Dann geht die Party weiter.
Diese Idee wurde auf dem VietelFest 2009 verwirklicht. Punkt 21:30 hörten die Bands auf den Bühnen auf zu spielen. An den Bierständen kehrte Ruhe ein. Viele Fenster zwischen Goetheplatz und Ziegenmarkt öffneten sich, und Personen des öffentlichen Lebens wurden darin angeleuchtet und lasen ihren Lieblingstext oder -Gedicht vor. Chefs von Werder, der Kammerphilharmonie und vom Theater waren dabei, Schauspielerinnen, Kaufleute und viele andere.

So einen Ruhepunkt hatte das Publikum noch auf keinem ViertelFest erlebt
2006 – Drauf, Drunter, Drüber
Drauf – das waren die Bühnen mit Indie-Garage-Noise-Magic-Super-Disco-Speed-Boppin-Countrykitsch-Schrägpop und Sushi-Music uf 4 Bühnen und 1 Tanzboden mit Erdmöbel, Gipsy.cz, Muff Potter, Trashmonkeys, The Pale Four, Chupacabras, Alvin Stardust
Drunter – aus den Gullys der Meile schallt die Klanginstallation „Straßengeflüster“ mit Texten über das Straßenleben.

DRÜBER – die Gruppe „urbanscreen“ verzauberte nachts die Fassaden der Viertel-Häuser mit drei passgenauen Projektionen: „World in a Box“, „jump!“ und legendär der interaktive Flipper am Netto-Gebäude: „Pinball“
Fotos: Jan Meier, Claudia Hoppens, urbanscreen
